Schwindel: Stecken die Wechseljahre dahinter?

Fast die Hälfte aller Frauen erlebt während der Wechseljahre Anflüge von Schwindel. Oft stehen diese in Verbindung mit Hitzewallungen oder Herzrasen. Wie diese Schwindelanfälle entstehen und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Warum kommt es während der Wechseljahre häufig zu Schwindel?

Die Sexualhormone Östrogen und Gestagen sind nicht nur für die Fruchtbarkeit und Fortpflanzung zuständig, sondern sind als Botenstoffe auch in die Regulierung zahlreicher Körperfunktionen eingebunden. Sie beeinflussen unter anderem das vegetative Nervensystem, welches die lebensnotwendigen, unbewusst ablaufenden Körperfunktionen wie Atmung, Kreislauf oder Verdauung steuert. Wenn die Produktion von Östrogen und Gestagen während der Wechseljahre sinkt, kann es deshalb zu Funktionsstörungen im Gehirn kommen, die neben den typischen Hitzewallungen auch Schwindel auslösen können.

Gut zu wissen: Schwindel oder Vertigo wird definiert, wenn die Wahrnehmung von Bewegungen oder der Position des Körpers im umgebenden Raum unangenehm verzerrt ist.

Das größte Risiko bei Schwindelgefühlen ist die Sturzgefahr. Aber Schwindel kann auch zu Übelkeit oder Kopfscherzen führen. Nicht immer sind jedoch die Wechseljahre die Ursache. Schwindel kann auch ein Symptom für eine ernsthafte Erkrankung sein. Insbesondere, wenn die Schwindelanfälle nicht in direktem Zusammenhang mit Hitzewallungen stehen, empfiehlt es sich deshalb, diese von einem Arzt abklären zu lassen.

Wie entsteht Schwindel?

Das Bewusstsein über Bewegung und Stellung im Raum wird von drei verschiedenen Sensoren im Körper gesteuert: Augen (visuelles System), Tiefenrezeptoren in den Muskeln (somatosensorisches System) und das Gleichgewichtsorgan im Innenohr (Vestibularorgan). Alle drei Sensoren senden permanent Informationen an das Gehirn, die im sogenannten vegetativen Nervensystem verarbeitet werden. Stehen diese Informationen nicht miteinander im Einklang oder können sie im Gehirn nicht richtig verarbeitet werden, entsteht ein Schwindelgefühl.

Dabei unterscheidet man zwei Arten von Schwindel:

  • Der natürliche (physiologische) Schwindel, der zum Beispiel aufgrund von schnell wechselnden Bewegungen oder starker Beschleunigung entsteht, ist ein Schutzmechanismus des Körpers und signalisiert eine mögliche Gefahr. Dazu gehören unter anderem die Seekrankheit oder das Schwindelgefühl auf dem Karussell.
  • Der krankhafte (pathologischen) Schwindel, der durch Verletzungen oder Funktionsstörungen entsteht.

Wechseljahre und andere Ursachen für Schwindel

Frau mit Schwindel in den Wechseljahren

Während der Wechseljahre entstehen Funktionsstörungen, weil die Botenstoffe Östrogen und Gestagen nicht mehr in gleicher Menge zur Verfügung stehen wie bisher. Sobald sich der Körper nach der Menopause, also der letzten Regelblutung, auf die Hormonveränderungen eingestellt hat, hören die Schwindelanfälle wieder auf.

Eine weitere häufige Ursache für Schwindel bei älteren Erwachsenen ist die Cupulolithiasis. Dabei lösen sich kleine Kalksteinchen im Innenohr und lagern sich an der Kuppel des hinteren Bogengangs ab. Aber auch Verletzungen oder Entzündungen am Gleichgewichtsnerv, im Ohr oder in den Augen können zu Funktionsstörungen führen und Schwindel auslösen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Erkrankungen, beispielsweise Blutdruckveränderungen oder Herzrhythmusstörungen, bei welchen Schwindel als ein typisches Symptom auftritt.

Und auch psychische Belastungen wie Stress oder Ängste können sich durch Schwindelanfälle äußern. Hier können die Wechseljahre und der Umgang der betroffenen Frauen mit den körperlichen Veränderungen ebenfalls eine Rolle spielen. Aufgrund der vielfältigen Ursachen ist es ratsam, bei Schwindelgefühlen einen Arzt aufzusuchen. So lässt sich feststellen, ob eine ernsthafte Erkrankung oder tatsächlich nur eine vorübergehende Hormonveränderung hinter den Schwindelanfällen steckt.

Behandlungsmöglichkeiten bei Schwindel in den Wechseljahren

Die Behandlung von Schwindel richtet sich nach seinen Ursachen. Liegt eine Erkrankung oder eine Entzündung der für den Gleichgewichtssinn benötigten Organe vor, zielt die Therapie auf deren Heilung ab.

Während der Wechseljahre können sowohl hormonelle Veränderungen als auch Stress zu Schwindel führen. Ein Beschwerdetagebuch hilft, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, in welchen Situationen Schwindelanfälle auftreten. Ist Stress der Auslöser für Schwindel während der Wechseljahre, sollte der Schwerpunkt auf Entspannungsübungen liegen. Eine sinkende Hormonproduktion hingegen kann durch eine Hormonersatztherapie auch durch pflanzliche Hormone ausgeglichen werden. Aufgrund langfristiger Nebenwirkungen ist eine Hormonbehandlung allerdings nur in sehr schweren Fällen ratsam. Besser ist es, den eigenen Gleichgewichtssinn durch eine gezielte Physiotherapie zu stärken. Dabei werden die Gleichgewichtsreaktionen des Körpers durch Balanceübungen trainiert. Erfahrungen zeigen, dass eine auf die Förderung des Gleichgewichtssinns ausgerichtete Krankengymnastik nicht nur das Sturzrisiko senkt, sondern auch die Schwindelanfälle reduziert.