Ängstlichkeit und Angstzustände – Ursachen und Behandlung

15. Januar 2019
8 Min.

Im einem Moment sicher und selbstbewusst, im nächsten entstehen plötzlich Angstzustände. Die Wechseljahre — auch Klimakterium genannt — bergen für viele Frauen meist ungeahnte Herausforderungen, die wie aus dem Nichts auftauchen. Verantwortlich sind in der Regel die Hormone, aber auch andere, beispielsweise psychische Faktoren, spielen eine Rolle. Hier erfahren Sie, worauf bei Angstzuständen in den Wechseljahren zu achten ist, welche Ursachen es gibt und welche Vorkehrungen Sie zur Prävention treffen können.

Mögliche Symptome bei Angstzuständen in den Wechseljahren

In Wechseljahren kann es häufiger zu Angstzuständen kommen.

Die Symptome bei Angstzuständen in den Wechseljahren treten oftmals plötzlich und aus heiterem Himmel auf, weshalb viele Frauen von ihnen überrascht werden. Was mit einer leichten Unsicherheit oder Ängstlichkeit beginnt, kann im schlimmsten Fall sogar in eine Panikattacke münden. Wer von Angstzuständen oder Panikattacken betroffen ist, fühlt sich meist wie gelähmt vor Angst und nicht selten macht sich ein Gefühl von Kontrollverlust breit. Diese psychischen Auswirkungen werden in der Regel zusätzlich von einer Reihe körperlicher Anzeichen begleitet und sind vor allem bei Panikattacken besonders ausgeprägt. Dazu gehören:

  • Kurzatmigkeit, Hyperventilation (beschleunigte Atmung) oder Gefühl der Atemnot
  • Herzrasen und hoher Puls (über 100 Schläge pro Minute1)
  • Unwohlsein, Schwindel und Übelkeit
  • Schweißausbrüche
  • Zittern an den Händen oder am gesamten Körper
  • trockener Mund

Fälschlicherweise deuten viele Frauen die Symptome von Angstzuständen, die in den Wechseljahren auftreten, als Hinweise auf einen Herzinfarkt. Hier kann jedoch Entwarnung gegeben werden — es besteht keine Lebensgefahr bei Angstzuständen. Trotzdem führen sie zu Stress und belasten den Organismus, weshalb man sie sehr ernst nehmen sollte. Vor allem wenn sich die Zustände der Angst oder Panikattacken sehr oft einstellen, sollten betroffene Frauen in jedem Fall mit einem Arzt beziehungsweise mit einem Psychologen sprechen. Auch den Besuch bei einer Wechseljahreberaterin sollten Sie in Erwägung ziehen. Dabei handelt es sich um speziell auf Wechseljahre ausgebildete Expertinnen, die Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Angstzustände und Wechseljahre – die Ursachen

Sind die Panikattacken oder Angstzustände bisher noch nicht aufgetreten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Wechseljahre verantwortlich sind. Zwangsläufig stehen sie jedoch nicht im direkten Zusammenhang. Auch ein Übermaß an Stress im alltäglichen Leben oder eine familiäre — also genetische — Vorbelastung sind als Ursache möglich.

Vor dem Hintergrund der Wechseljahre gibt es eine Reihe verschiedener Faktoren, die das Entstehen von Angstzuständen begünstigen. In erster Linie ist hier die grundsätzliche Veränderung des weiblichen Körpers zu erwähnen. Aufgrund der Tatsache, dass immer weniger Follikel (Eibläschen) und Eizellen in den Eierstöcken heranreifen, wird der eigentlich vierwöchentliche Eisprung im Lauf der Wechseljahre allmählich eingestellt. Der weibliche Körper besitzt nämlich nur eine begrenzte Anzahl von Follikeln, die ab einem gewissen Zeitpunkt (meist in einem Alter zwischen 45 und 52 Jahren2) aufgebraucht sind. Dies sorgt für eine Veränderung in der Produktion von Hormonen, wie zum Beispiel Östrogen oder Progesteron, was letzten Endes bedingt, dass im Körper der Frau mal mehr und mal weniger Hormone vorhanden sind. Dieser gestörte Hormonhaushalt verursacht oftmals sehr stark ausgeprägte Stimmungsschwankungen, die auch in Angstgefühle oder in Panikattacken übergehen können.

Es gibt jedoch auch psychische Faktoren, die zu Angstzuständen in den Wechseljahren führen. Nicht selten sind es gerade diese wechselhaften Jahre im Leben einer Frau, die mit großen Veränderungen einhergehen. Beispielsweise der Auszug der eigenen Kinder oder der schlechter werdende gesundheitliche Zustand der Eltern können für viele Betroffene eine seelische Belastung darstellen und Angst hervorrufen. Möglicherweise sind es aber gerade auch die körperlichen Veränderungen, die sich auf die Psyche auswirken. Die Tatsache zum Beispiel, dass es von nun an nicht mehr möglich ist, Kinder zu bekommen, müssen viele Frauen erst einmal verarbeiten. Nicht außer Acht zu lassen sind auch die allgemeinen Spuren des Älterwerdens, die von Frau zu Frau unterschiedlich aufgenommen werden und mitunter für Stress beziehungsweise Angstzustände in den Wechseljahren sorgen können.

Was hilft gegen Angstzustände in den Wechseljahren?

Angstzustände sind für Betroffene sehr oft unangenehm und erschreckend. Die gute Nachricht ist jedoch: Niemand muss sich damit abfinden und sie lassen sich in aller Regel sehr gut behandeln. Ein erster Schritt zur Besserung und Vorsorge kann schon das Wissen sein, dass es zu Angstzuständen in den Wechseljahren kommen kann. Auf diese Weise minimiert sich das Überraschungsmoment, da man sich bereits im Vorfeld mit dem Gedanken daran beschäftigt und im besten Fall auch mental darauf vorbereitet hat.

Zudem kann es helfen, sich selbst auf andere Gedanken zu bringen. Hierfür ist jeden Tag ein gewisses Maß an körperlicher Tätigkeit und Sport zu empfehlen. Es eignen sich:

  • leichte Entspannungsübungen wie Yoga,
  • Spazierengehen,
  • Joggen und
  • Gymnastikübungen.

Auf diese Weise wird nicht nur die allgemeine Durchblutung des Körpers gefördert, was für Entspannung sorgt. Aktivitäten wie diese können auch stress- und angstlösend wirken.

Als vorbeugende Maßnahme ist hinsichtlich der Ernährung außerdem darauf zu achten, dass man genug Flüssigkeit zu sich nimmt und den übermäßigen Konsum von Genussmitteln vermeidet. Gerade Kaffee, Alkohol oder Zigaretten beinhalten Stoffe, die das Gehirn stimulieren und in der Lage sind, übermäßig emotionale Reaktionen herbeizuführen. Sie können mitunter für Angstzustände in den Wechseljahren verantwortlich sein.

Ebenso relevant ist ein gesundes Maß an Schlaf. Besonders Müdigkeit und Schlafmangel verringern die Stressresistenz und begünstigen Angstzustände und Panikattacken. Achten sie deshalb in den Wechseljahren besonders darauf, Stress zu reduzieren und so weit möglich aus dem alltäglichen Leben zu verbannen.

Die Wechseljahre und die damit einhergehenden Veränderungen sind ein natürlicher Prozess, den jede Frau in ihrem Leben durchläuft. Gehen Sie möglichst offen damit um und holen Sie sich bei Bedarf Tipps von Freundinnen oder Kolleginnen. Vor allem auch in der eigenen Familie ist ein ungezwungener Umgang mit dem Thema zu empfehlen.

Auch eine medikamentöse Behandlung ist in manchen Fällen notwendig. Hier kann zu pflanzlichen Mitteln wie Baldrian oder Passionsblumen gegriffen werden, die eine beruhigende Wirkung auf den Körper und das Nervensystem haben. Gerade wenn die Angstzustände in den Wechseljahren langanhaltend und besonders ausgeprägt sind, sollte in jedem Fall ein Psychologe oder Arzt konsultiert werden. Letzterer verschreibt häufig stärkere Beruhigungsmittel und in besonders schweren Fällen auch Antidepressiva, um die Angst oder Panikattacken zu bekämpfen. Der Psychologe gibt Methoden an die Hand, die dabei helfen im Alltag besser mit Zuständen der Angst umzugehen.

Jan Zimmermann
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Medizinredakteur und Medienwissenschaftler
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