Wechseljahre und trockene Augen: Unangenehme Begleiterscheinung mit Folgen

Trockene Augen während der Wechseljahre sind keine Seltenheit. Denn die Hormonumstellung wirkt sich unter anderem auf die Schleimhäute aus: Sie produzieren weniger Flüssigkeit und trocknen leichter aus – auch im Bereich der Augen. Was sich wie eine Lappalie anhört, kann für die betroffenen Frauen zu einem echten Problem werden. Denn trockene Augen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sie können zudem dauerhafte Schädigungen nach sich ziehen.

Das passiert bei trockenen Augen

Trockene Augen in den Wechseljahren: Gerötete Augen in Großaufnahme.
Wenn die Augen trocken sind, fühlt sich dies äußerst unangenehm an: Sie brennen, jucken und sind gerötet. Dazu kommt häufig ein Gefühl, als wäre Sand in den Augen. Jeder Lidschlag verursacht Schmerzen und die Augen können aufgrund der Gereiztheit lichtempfindlich werden. Augenärzte bezeichnen das Krankheitsbild als Sicca-Syndrom.

Um zu verstehen, wie trockene Augen entstehen, lohnt es sich zunächst, das gesunde Auge zu betrachten. Dieses produziert kontinuierlich Tränenflüssigkeit, die auf der Augenoberfläche haftet und sie benetzt. Zudem versorgt sie Zellen der Hornhaut mit Nährstoffen und Abwehrzellen, die mögliche Krankheitserreger bekämpfen. Damit der Tränenfilm seinen vielfältigen Aufgaben nachkommen kann, ist er aus drei Phasen zusammengesetzt:

  • Die erste Phase ist die Schleimschicht. Sie liegt direkt auf dem Auge auf, sodass sich die Flüssigkeit gleichmäßig verteilen kann.
  • Die wässrige Schicht ist die zweite Phase. Sie enthält Nähr- und Abwehrstoffe.
  • Die dritte Phase ist ein Fettfilm. Er verhindert, dass die anderen beiden Phasen abfließen.
Bei trockenen Augen in den Wechseljahren kommen häufig zwei Ursachen zusammen. Zum einen produzieren die Tränendrüsen weniger Flüssigkeit. Der Tränenfilm reißt in der Folge auf und die Hornhaut ist gegen Krankheitserreger ungeschützt. Auch Nährstoffe fehlen ihr. Zum anderen kann die Zusammensetzung der Tränenschicht gestört sein. Wenn es beispielsweise am Fettfilm mangelt, fließen die Tränen ungehindert aus dem Auge und es kommt zu tränenden Augen mit gleichzeitigem Trockenheitsgefühl.

Lebensumstände und Wechseljahre begünstigen trockene Augen

In den Wechseljahren entstehen Symptome an den Augen durch das Absinken der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und FSH (Follikel stimulierendes Hormon). Dies verändert den weiblichen Körper enorm: Die Haut wird dünner, es kommt zu Schweißausbrüchen und Stimmungsschwankungen. Weiterhin trocknen die Schleimhäute aus, was sich durch einen trockenen Mund oder trockene Augen bemerkbar machen kann.

Zusätzlich zu den Hormonschwankungen tragen auch die Lebensbedingungen unserer Zeit zu trockenen Augen bei. Die meisten Menschen halten sich hauptsächlich in geschlossenen Räumen auf, deren Luft durch die Heizung oder eine Klimaanlage trocken ist. Dazu verbringen sie immer mehr Zeit vor Bildschirmen, was für die Augen besonders belastend ist. Denn zum einen strengt der permanente Blick auf das gleiche Objekt an, zum anderen blinzeln die Augen deutlich seltener, sodass dem Auge das regelmäßige Verteilen der Tränenflüssigkeit fehlt. Auch Kontaktlinsen begünstigen trockene Augen in den Wechseljahren.

Mit trockenen Augen zum Arzt

Viele Betroffene fragen sich, was bei trockenen Augen in den Wechseljahren hilft. Vor allem wenn die Symptome ausgeprägt sind, lohnt sich zunächst der Gang zum Augenarzt. Denn diesem stehen unterschiedliche Möglichkeiten bereit, trockene Augen zu diagnostizieren:

  • Mit einer Spaltlampe untersucht der Mediziner die Augenoberfläche und kontrolliert sie auf Reizungen. Auch verstopfte Tränendrüsen und sogenannte lidkantenparallele Bindehautfalten (LIPCOF) lassen sich mit dem Gerät entdecken. Letztere sind bei trockenen Augen besonders ausgeprägt.
  • Der Schirmer-Test überprüft die Tränenproduktion. Dafür hängt der Arzt feine Filterstreifen in die unteren Augenlider. Der Patient schließt die Augen für fünf Minuten. Anschließend werden die Papiere entfernt und gemessen, wie weit die aufgesaugte Tränenflüssigkeit vorangekommen ist. Bei einem Sicca-Syndrom ist der Wert deutlich niedriger als beim gesunden Auge.
  • Der Fluorescein-Break-Up-Time-Test (F-BUT) misst, wie lange es dauert, bis der Tränenfilm beginnt aufzureißen. Dafür tröpfelt der Mediziner spezielle, mit dem Farbstoff Fluoreszein angereicherte Augentropfen ins Auge. Der Patient soll nun die Augen geöffnet halten – während der Arzt festhält, wann die ersten trockenen (ungefärbten) Bereiche sichtbar werden.
Eine Laboruntersuchung der Tränenflüssigkeit zeigt zudem, ob die Zusammensetzung gestört ist. Hat der Arzt seine Diagnose gestellt, wird er die entsprechende Behandlung einleiten.

Trockene Augen in den Wechseljahren: Was hilft?

Je nach Schweregrad der trockenen Augen gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Vielen Betroffenen ist mit Augentropfen geholfen. Die künstlichen Tränen befeuchten die Augenoberfläche und können nach Bedarf verwendet werden. Bei schwereren Formen des Sicca-Syndroms sind Geltropfen zu empfehlen. Sie haften länger auf der Augenoberfläche und befeuchten besonders intensiv. Nachts haben sich Augensalben bewährt, die die Regeneration unterstützen und ein Austrocknen verhindern. Ihr Augenarzt kann Ihnen geeignete Produkte empfehlen.

Sie müssen sich nicht mit Ihren trockenen Augen abfinden. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die Sie ergreifen sollten. Denn unbehandelt können trockene Augen Folgen haben: Sie sind anfälliger für Entzündungen, zusätzlich kann es zu Verletzungen der Horn- und Bindehaut kommen. Dauerhafte Beeinträchtigungen der Sehkraft sind möglich.

Probieren Sie zudem folgende Tipps gegen trockene Augen in den Wechseljahren:

  • Stellen Sie Luftbefeuchter auf oder hängen Sie feuchte Tücher über die Heizkörper. Eine erhöhte Luftfeuchtigkeit schützt die Augenoberfläche vor dem Austrocknen. Ein zusätzlicher positiver Effekt: Auch Ihren Nasenschleimhäuten tut befeuchtete Luft gut, Krankheitserreger können leichter abgewehrt werden.
  • Trinken Sie viel, damit Ihr Körper genug Flüssigkeit hat, um Tränen zu bilden.
  • Vermeiden Sie die typischen Auslöser für trockene Augen so gut es geht, indem Sie auf Kontaktlinsen verzichten und möglichst wenig Zeit vor Bildschirmen verbringen.
  • Das menschliche Auge entspannt sich, wenn es in die Weite blicken kann. Daher bieten regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft Erholung.
  • Eventuell kommt für Sie eine Bildschirmbrille infrage. Vor allem, wenn Sie eine Lesebrille tragen, kann sich die Anschaffung lohnen.
Durch tägliche kleine Übungen können Sie Ihre Augen positiv unterstützen. Für eine schnelle Befeuchtung blinzeln Sie zehn Sekunden lang schnell hintereinander. Wollen Sie Ihre Sehfähigkeit trainieren, versuchen Sie für eine Minute, abwechselnd Ihren Blick zwischen einem nahen Objekt (zum Beispiel Ihrem PC-Bildschirm) und einem entfernten Objekt (zum Beispiel beim Blick aus dem Fenster) zu konzentrieren –und das möglichst schnell hintereinander.

Nicht vergessen!

Denken Sie beim Besuch Ihrer Augenarztpraxis an die Vorsorgeuntersuchungen! Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt, die Augen auf die häufigsten Krankheiten, die zur Erblindung führen können, kontrollieren zu lassen: ab einem Alter von 40 Jahren auf den grünen Star (Glaukom) und ab 60 Jahren auf die altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Auch der graue Star (Katarakt) tritt vor allem im fortgeschrittenen Alter auf und kann eine Erblindung nach sich ziehen.

Hilfe bei starken Symptomen von trockenen Augen während der Wechseljahre

Wenn die trockenen Augen in den Wechseljahren zur Qual werden, fragen sich viele Frauen, ob eine hormonelle Behandlung die Beschwerden lindern kann. Dies lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Laut Meinung des Arbeitskreises Trockenes Auge im Berufsverband der Deutschen Augenärzte führt eine Hormonersatztherapie sogar zur Verstärkung des Risikos, trockene Augen zu entwickeln.1 Jedoch gibt es auch Stimmen, die positive Erfahrungen damit gemacht haben. Dies ist also individuell in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt zu entscheiden. Möglicherweise helfen Ihnen auch pflanzliche Mittel dabei, den Hormonhaushalt ins Gleichgewicht zu bringen.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit, die abfließenden Tränenkanäle durch sogenannte Punctum Plugs zu verschließen. Dabei handelt es sich um eine Art Stöpsel, die vom Operateur in den Tränenpünktchen platziert werden. Dies soll ein ständiges Abfließen der Tränenflüssigkeit verhindern. Punctum Plugs gelten als schmerzfrei und können für einige Jahre getragen werden.

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1Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.v.: Wenn die Tränen spärlich fließen. Pressmitteilung vom 27.10.2009. URL (PDF): https://augeninfo.de/cms/fileadmin/PDF/0910sic.pdf (26.11.2018)