Wechseljahre oder Fehlfunktion der Schilddrüse?

Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Nervosität oder Abgeschlagenheit werden häufig auf die Wechseljahre geschoben. Aber Vorsicht: Einige Beschwerden, die typischerweise während der Wechseljahre auftreten, können auch die Folge einer Fehlfunktion der Schilddrüse sein. Da die Schilddrüse viele lebenswichtige Funktionen unterstützt, ist es vorteilhaft, wenn eine solche Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt wird.

Schilddrüsenerkrankungen haben ähnliche Symptome wie Wechseljahre

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das im Hals links und rechts neben der Luftröhre sitzt. Sie produziert die Hormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4), auch Thyroxin genannt, die den Stoffwechsel regulieren. Gerät die Hormonproduktion aus dem Gleichgewicht, treten häufig Symptome auf, die denen der Wechseljahre ähnlich sind. Wird zu viel T3 und T4 produziert, spricht man von einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), die zu Hitzewallungen, Ruhelosigkeit und Schlafstörungen führen kann. Schüttet die Schilddrüse zu wenige Hormone aus, liegt eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vor. Typische Symptome sind

  • Müdigkeit,
  • depressive Verstimmungen,
  • Gewichtszunahme oder auch
  • Haarausfall.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion kann zudem auch die Regelblutung ausfallen, was den Eindruck verstärkt, dass es sich bei den Beschwerden um die Wechseljahre handeln könnte. Eine verbreitete Schilddrüsenerkrankung ist die Hashimoto-Thyreoiditis. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Schilddrüse angreift. Dies löst eine Schilddrüsenentzündung aus, die anfangs eine Schilddrüsenüberfunktion nach sich zieht. Da eine Hashimoto-Thyreoiditis das hormonproduzierende Schilddrüsengewebe schädigt, entwickelt sich jedoch langfristig eine Schilddrüsenunterfunktion. In jeder Phase der Krankheit ähneln die Symptome denen der Wechseljahre.

Die Unterscheidung: Schilddrüse oder Wechseljahre?

Frauen in der Mitte des Lebens sind besonders häufig von einer Fehlfunktion der Schilddrüse betroffen. Das heißt, die Wechseljahre und Schilddrüsenerkrankungen treten zugleich auf. Die Symptome überlagern und verstärken sich gegenseitig, was eine Diagnose erschwert. Aus diesem Grund bleiben viele Schilddrüsenerkrankungen lange Zeit unentdeckt.

Einige Symptome unterscheiden sich in ihrer Art und Ausprägung. So sind die Hitzewallungen aufgrund einer Fehlfunktion der Schilddrüse beispielsweise nicht aufsteigend. Sie werden von den meisten Frauen als gleichmäßig starkes Schwitzen empfunden, oftmals in Kombination mit feuchter Haut und zittrigen Händen. Um mit Sicherheit festzustellen, ob die Beschwerden durch die Schilddrüse oder die Wechseljahre ausgelöst werden, führt der Arzt eine Blutuntersuchung durch. Dabei werden die Werte der Hormone T3 und T4 im Blut gemessen. Zusätzlich gibt eine Ultraschalluntersuchung Auskunft über die Beschaffenheit der Schilddrüse. Zur Diagnose einer Hashimoto-Thyreoiditis analysiert der Arzt das Blut auf Antikörper, die sich gegen das Schilddrüsenenzym richten, das für die Hormonproduktion verantwortlich ist.

Wie wird eine Fehlfunktion der Schilddrüse behandelt?

Der Arzt prüft eine Patientin in den Wechseljahren auf Schilddrüsenerkrankung

Der Mangel an T3 und T4, der aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion entsteht, kann durch eine Zuführung der fehlenden Hormone ausgeglichen werden. Diese werden üblicherweise in Form von Tabletten eingenommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Schilddrüsenunterfunktion die Folge einer Hashimoto-Thyreoiditis ist. Auch bei dieser Autoimmunerkrankung geht es in erster Linie darum, den Körper mit den lebensnotwendigen Hormonen zu versorgen. Die Schilddrüsenentzündung selbst ist jedoch noch nicht heilbar.

Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor, versucht der behandelnde Arzt die Hormonproduktion zu reduzieren. Hier hat sich die Einnahme von, sogenannten Schilddrüsenblockern (Thyreostatika) bewährt. Produziert die Schilddrüse trotz Medikamente weiterhin zu viel T3 und T4, bleibt nur die Reduzierung von hormonproduzierendem Gewebe. Eine Möglichkeit ist die Radiojodtherapie. Dabei wird der Patientin radioaktives Jod verabreicht, das vor allem jene Schilddrüsenzellen zerstört, bei denen die Hormonproduktion gesteigert ist.

Eine andere Möglichkeit ist, die Schilddrüse operativ zu verkleinern. Diese Behandlung kommt vor allem dann infrage, wenn sich die Schilddrüse aufgrund der Fehlfunktion vergrößert hat oder Knoten entstanden sind.

Kann man einer Erkrankung der Schilddrüse vorbeugen?

Was genau eine Fehlfunktion der Schilddrüse auslöst und warum sie besonders häufig Frauen während der Wechseljahre betrifft, ist noch nicht vollständig erforscht. In einigen Fällen ist Jodmangel die Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion. Die Schilddrüse benötigt Jod für die Produktion von T3 und T4. Da der Körper selbst kein Jod produziert, müssen Kinder und Erwachsene ausreichend über die Nahrung aufnehmen. Seefische sind besonders reich an Jod und stehen deshalb idealerweise einmal pro Woche auf dem Speiseplan.Andere Leser interessierte auch: Symptome erkennen >>

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